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Statements Sentinel-Verfahren beim Brustkrebs
des Vorstandes für Gynäkologische Onkologie AGO 2002*
1. Informationen für Ärzte und Ärztinnen:
Die Sentinel-Lymphknoten-Operation beim Mammakarzinom hat sich in den letzten Jahren weltweit und auch in der Schweiz relativ rasch verbreitet und ersetzt zunehmend die klassische Axillarevision (Level I und II) bei klinisch nodal negativen Patientinnen. Zeigen sich bei der definitiven histologischen Aufarbeitung keine Metastasen in den Sentinel-Lymphknoten, so kann auf eine vollständige Axillaausräumung verzichtet werden, sofern das Operationsteam über die entsprechende Erfahrung mit der Methode verfügt.
Um die Operation erfolgreich durchzuführen, ist ein Teamapproach nötig. Das Team besteht aus Radiologe bzw. Nuklearmediziner, Operateur und Assistent sowie aus dem Pathologen. Dieses Team muss eingespielt sein, um gute Resultate zu erzielen.
Die AGO empfiehlt das strikte Einhalten eines definierten Protokolls mit Angaben aller wichtigen Einzelheiten analog des AGO-Studienprotokolls Nr.1 der Schweizerischen Multizenterstudie beim Mammakarzinom (www.sentinelnode.ch). Ausserdem wird auf die Einhaltung der Indikationsliste bzw. auf das Beachten der Kontraindikationen aufmerksam gemacht.
Genügend Erfahrung hat ein Team, wenn an der gleichen Klinik mindestens 20 Sentinel-Lymphknoten-Operationen mit anschliessender vollständiger Lymphknoten-entfernung (Level I und II) durchgeführt oder in das AGO-Protokoll eingeschlossen wurden mit einer genauen Dokumentation der Patientinnen bzw. der Resultate. Die Erfahrung des Operateurs und des ganzen Teams ist für das Gelingen dieser Operation von besonderer Bedeutung.
Die AGO ist an der kontrollierten und doch raschen Verbreitung dieser Methode interessiert. Das Erlernen ist durch den Besuch von Kursen im In- und Ausland und durch die Assistenz bei erfahrenen Operateuren mit durchgemachter Lernkurve möglich. Auf diese Weise kann ein Team an einem Zentrum oder an einer Klinik laufend Erfahrungen sammeln und die Methode kann kontrolliert weitergegeben werden.
Sofern die Klinik die obengenannten Voraussetzungen erfüllt hat, wird es den Verantwortlichen der einzelnen Kliniken bzw. Zentren überlassen, wann ein Operateur diese Operation selbstständig durchführen kann, denn dies hängt nicht zuletzt von der chirurgischen Gesamterfahrung in der Mammachirurgie ab.
Beim Präsidenten der AGO kann die Liste der Kliniken, an denen das AGO-Protokoll eingehalten wird bzw. über Operateure mit entsprechender Erfahrung verfügen, angefordert werden.
Die AGO bringt klar zum Ausdruck, dass im jetzigen Moment der Verzicht auf die Sentinel-Lymphknotenbiopsie bei gegebener Indikation keinen medizinischen Fehler darstellt, obwohl es erste klinische Daten gibt, dass die Morbidität der Sentinel-Lymphknotenbiopsie ohne erhöhte Rezidivgefahr geringer ist. Langzeitresultate über 5 und 10 Jahre sind jedoch ausstehend.
2. Informationen für Patientinnen:
Bei festgestelltem Brustkrebs muss nicht nur die Brust operiert werden, sondern es müssen auch die regionären Lymphknoten entfernt werden, da diese möglicherweise tumorbefallen sind. Die regionären Lymphknoten der Brust befinden sich in erster Linie in der Achselhöhle.
Bis anhin wurden bei allen Patientinnen die vollständige Entfernung aller Lymphknoten der Achselhöhle durchgeführt. Heute ist es bei einer Gruppe von Patientinnen mit relativ kleinen Tumoren und beim Fehlen von vergrösserten Lymphknoten in der Achselhöhle möglich auf die vollständige Entfernung aller Lymphknoten zu verzichten.
Dafür wird das seit einigen Jahren erprobte Sentinel-Lymphknoten-Konzept eingesetzt. Dabei wird mittels einer schwach radioaktiven Substanz und eines Blaufarbstoffs der erste drainierende Lymphknoten der Achselhöhle einer Patientin nachgewiesen. Dieser wird auch als Pförtner-Lymphknoten bezeichnet. Da auf Deutsch "Sentinel" Pförtner heisst, hat sich international der Begriff des Sentinel-Konzeptes durchgesetzt.
Ist der Sentinel-Lymphknoten nicht tumorbefallen, kann der Operateur auf die Entfernung der restlichen Lymphknoten verzichten, sofern er und sein Team über die entsprechende Erfahrung mit dieser Operation verfügt.
Die Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie (AGO) hat Empfehlungen und Richtlinien für diese Operation für die Ärzte ausgearbeitet. Da es sich um ein Teamwork handelt, muss nicht nur die Klinik an der eine Patientin operiert wird, sondern auch der Operateur über genügend Kenntnis und Erfahrung mit dieser neuen Technik verfügen.
Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann Ihnen individuell weiterhelfen. Es ist ein ärztlicher Entscheid, wann es sinnvoll ist, diese neue Methode einzusetzen. Jede Patientin hat das Recht genügend über die Vor- und Nachteile beider Operationstechniken (der vollständigen und der Sentinel-Technik) aufgeklärt zu werden.
Haben Sie als Patientin Fragen, die nach dem ärztlichen Gespräch unbeantwortet blieben, so können Sie uns Ihre Frage auf mailto:info@swissago.ch mailen.
* Da die AGO der SGGG unterstellt ist, gelten diese vom AGO-Vorstand beschlossenen Statements erst als offiziell, wenn der SGGG-Vorstand diese auch offizell gutgeheissen hat. Dies wird anlässlich der Jahresversammlung der SGGG im Juni 2002 der Fall sein.

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